Das Gefühl, wenn man ein Buch fertig geschrieben hat

Gestern war es so weit. Gestern habe ich den dritten Teil meiner Finde-Mich-Reihe fertig geschrieben. Knapp neunzigtausend Wörter Manuskript. Geschrieben. Fertig. Da. Was man erwartet: Trommelwirbel, Jubelschreie, Tänze auf Tischen. Was man bekommt: Stille (durchbrochen vom Gluckern des Kühlschranks).

Ich weiß nicht, wie das bei anderen abläuft – vielleicht sollte ich mal eine Umfrage starten, um herauszufinden, ob ich ganz normal im Kopf bin –, aber jedes Mal, wenn ich ein Buch fertig geschrieben habe, passiert einfach genau nichts. Natürlich, rational weiß ich, dass ich etwas geschafft habe. Dass ich stolz sein kann, mir auf die Schulter klopfen und wenigstens einen imaginären Sekt köpfen sollte. Aber emotional? Da sickert irgendwie erst mal nichts durch.

Ein "Ende" unter das Manuskript zu setzen, reicht nicht.

Ich schätze, wenn ein Projekt, das einen so lange begleitet hat, vorbei ist, dauert es einfach einen Moment, bis die Neuigkeit in allen Ecken des Verstandes angekommen ist. Ein „Ende“ unter ein Manuskript zu setzen, reicht dafür einfach nicht aus. Es auf Instagram und Twitter zu verkünden, macht es zwar ein bisschen realer, aber das super duper Glücksgefühl lässt irgendwie noch auf sich warten.

Denn ich weiß natürlich auch, dass meine Arbeit an dieser Stelle längst noch nicht zu Ende ist. Als nächstes steht die große Überarbeitung an und damit die Fragen „Ist das alles Schrott?“, „Wird es überhaupt jemandem gefallen?“, „Hätte ich alles anders machen sollen?“ Die Zweifel sind auch beim dritten Buch noch genau so laut wie beim ersten.

Trommelwirbel, Jubelschreie, Tänze auf dem Tisch, das Schulterklopfen und den sehr realen Sekt gibt es, wenn die ersten Rückmeldungen die Zweifel zum Schweigen bringen. Bis dahin falle ich erst mal in ein kleines Loch und stelle mir existentielle Fragen. Aber keine Sorge, es ist ein ziemlich gemütliches Loch mit Bücherregal und Leseecke.

Kathinka Engel

Kathinka Engel liest, seit sie fünf Jahre alt ist. Neben der Literatur liebt sie außerdem: alles, was bunt ist, Abenteuerreisen, Die drei ???, gute Kneipen, Besuche im Fußballstadion und das Rascheln trockener Blätter im Herbst.

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