Nach dem Projekt ist vor dem Projekt

Viele von euch wissen, dass mein letztes Jahr ein bisschen krass war. Ich habe geschrieben und gearbeitet und geschrieben und gearbeitet. Es war absolut großartig, aber auch absolut anstrengend. Und ich war mir sicher: Wenn ich mein drittes Buch fertig geschrieben habe, mache ich erst einmal Pause (abgesehen vom Arbeiten, das lässt Pausen ja nicht so ohne Weiteres immer gleich zu). Der Plan war, den Sommer zu genießen, die Batterien wieder aufzuladen. Die ein oder andere Buchidee spukte mir zwar im Kopf herum, aber darunter war nichts Konkretes, auf das ich mich sofort hätte stürzen wollen. Doch dann …

Ich bin kein Mensch, der sonderlich auf Körperkontakt mit Fremden abfährt. Deswegen glaube ich, würde sich mir eine Muse nähern, um mich zu küssen, ich würde sie vehement abweisen. Aber irgendwie muss sie sich angeschlichen haben. Jedenfalls ist das passiert, was man wohl Inspiration nennt. So plötzlich, dass ich gar nicht so recht wusste, wie mir geschieht. Und schon fürchte ich ein wenig um meinen faulen Sommer.

Dieses kribbelige Gefühl, wenn ich an meine zukünftigen Protagonisten denke

Zwar bin ich noch ganz am Anfang mit meinen Ideen, aber ich habe schon wieder dieses kribbelige Gefühl, wenn ich an meine zukünftigen Protagonisten oder Schauplätze denke. Und sobald ich meine Augen schließe, entwickeln sich Szenen in meinem Kopf. Indem ich ihnen eine Weile einfach beim Leben zusehe, lerne ich meine Charaktere immer besser kennen. Sie bewegen sich durch ihre aufregende Welt und ich beobachte.

Noch weiß ich natürlich nicht, was daraus wird. Aber was ich weiß, ist, dass es mir vor der Finde mich-Reihe ganz genau so ging. Deswegen habe ich mich mal hingesetzt und ein Exposé geschrieben. Und das Exposé habe ich an meinen Agenten geschickt. Und dann ist der Agent in den Urlaub gefahren – aber ich glaube nicht, dass das etwas mit mir zu tun hat (und unter uns: den Urlaub hat er sich verdient).

Vielleicht kann man, wenn man mit dem Schreiben mal angefangen hat, nicht mehr aufhören.

Vielleicht waren meine Batterien also gar nicht so leer, wie ich dachte. Vielleicht hat es gereicht, ein paar Mal richtig gut zu schlafen. Vielleicht kann man, wenn man mit dem Schreiben mal angefangen hat, auch einfach nicht mehr aufhören. Ich bin neu im Business, ich kenne mich damit noch nicht so aus. Ich habe aber den schweren Verdacht, dass die Muse den Sommer an schönen Badeseen verbringen wird. Ganz entspannt. Und ich kann mir nicht helfen – ein bisschen schadenfroh bin ich, dass sie in diesem Moment mit Sicherheit von dem Weltuntergangs-Sommergewitter überrascht wurde, das sich vor meinem Fenster abspielt.

© Sophie Anfang

Kathinka Engel

Kathinka Engel liest, seit sie fünf Jahre alt ist. Neben der Literatur liebt sie außerdem: alles, was bunt ist, Abenteuerreisen, Die drei ???, gute Kneipen, Besuche im Fußballstadion und das Rascheln trockener Blätter im Herbst.

Der neue Roman

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