Wenn das Schreiben drum herum passieren muss

Als ich vor einem Jahr anfing zu schreiben, wusste ich natürlich nicht, worauf das alles hinauslaufen würde. Klar, man hofft, dass man Leser finden wird, vielleicht einen Verlag. Aber dass man auf einmal dasteht mit einem Verlagsvertrag und drei Deadlines in einem Jahr, davon geht man natürlich erst mal nicht aus.

Wenn ich jetzt auf dieses Jahr zurückblicke, ist Vieles unglaublich. Aber am unglaublichsten kommt mir beinahe doch vor, wie es mir gelungen ist, tatsächlich drei Bücher in zwölf Monaten zu schreiben, obwohl ich nebenbei einen anstrengenden Vollzeitjob habe. Wie genau habe ich das hinbekommen?

Was ich brauche, ist mein Laptop und ein bisschen Ruhe

Das Geheimnis ist wahrscheinlich, dass ich überall schreiben kann, wo ich nicht von anderen Menschen abgelenkt werde. Am liebsten deswegen zu Hause. Dort kann ich an jedem Ort und in jeder Position schreiben. An allen erdenklichen Tischen, die in der Wohnung verteilt sind, auf dem Sofa, im Bett, auf dem Fußboden, stehend, liegend, sitzend und so weiter. Manchmal merke ich erst, dass ich schon viel zu lang in einer unmöglichen Position verharrt habe, wenn alle Gliedmaßen eingeschlafen sind. Alles, was ich brauche, um in diesen Flow zu kommen, ist mein Laptop und ein bisschen Ruhe. Wobei, so ganz stimmt das nicht, denn es gibt auch Szenen, die kann ich nur schreiben, wenn Musik läuft. Allerdings muss ich die Songs so gut kennen, dass mein Kopf sich nicht davon ablenken lässt.

Diese Schreibzeit – in Stille oder mit Musikbegleitung – findet immer dann statt, wenn ich nicht arbeite. Nach Feierabend, am Wochenende, im Urlaub. Für mein Privatleben würde ich mir eine geregeltere Schreibroutine wünschen, aber das ist leider im Moment nicht drin. Deswegen schreibe ich einfach in jeder freien Minute, egal ob ich sitze, liege, stehe oder Rad schlage. Der ungewöhnlichste Ort bisher war wohl ein Dampfer im Senegal, der uns aus dem Süden des Landes wieder in die Hauptstadt Dakar gebracht hat. Ich hätte noch viel mehr geschafft, aber leider wurde ich auf die Dauer ziemlich seekrank. Und so saß ich nach einiger Zeit apathisch an Deck und fixierte den Horizont.

Am schönsten (und einfachsten) ist es allerdings doch, wenn ich am Wochenende früh aufstehe (da schaukelt es auch nicht so) und mich in aller Ruhe mit einem Kaffee an meinen Schreibtisch setze. Im Idealfall, bevor das Nachbarskind wach wird.

© Sophie Anfang

Kathinka Engel

Kathinka Engel liest, seit sie fünf Jahre alt ist. Neben der Literatur liebt sie außerdem: alles, was bunt ist, Abenteuerreisen, Die drei ???, gute Kneipen, Besuche im Fußballstadion und das Rascheln trockener Blätter im Herbst.

Der neue Roman

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