FAQ zum Thema Schreiben

Wie kommt es von der Buchidee zum Verlagsvertrag?

Bei mir lief das ganz klassisch über eine Literaturagentur. Wenn man zu einem großen Publikumsverlag will, ist das der Weg, den man einschlagen sollte. Bei kleineren Verlagen und Imprints kann man auch mit einem unverlangt eingesandten Manuskript Glück haben. Um sich bei einer Literaturagentur (oder auch bei einem Verlag) zu bewerben, braucht man ein Exposé (das ist eine gut durchdachte Zusammenfassung des Plots, angereichert mit einer Aufstellung und Charakterisierung der wichtigsten Figuren und den wichtigsten Fakten zum Buch wie Genre, Umfang, möglicher Abgabetermin) und eine Leseprobe. Wenn man noch ganz am Anfang steht, hilft es oft, wenn das gesamte Projekt schon fertig ist. Als ich mich mit der Finde mich-Reihe beworben habe, hatte ich ein sechsseitiges Exposé und ungefähr siebzig Seiten Leseprobe. Mein Agent hat das Projekt dann verschiedenen Verlagen gepitcht.

Was inspiriert dich?

Die Welt um mich herum. Das klingt banal, aber so ist es. Inspiration kann man überall finden. Bei mir sind es vor allem fremde Orte und Musik. Wenn ich mir ansehe, wie Menschen anderswo leben, was ihre Probleme sind, worunter sie zu leiden haben, wie sie ihren Alltag meistern, kommen mir Ideen für Charaktere. Diese Charaktere haben dann meistens schon emotionalen Ballast, den sie mit sich herumtragen. Daraus ergibt sich die Problemstellung meines Romans. Nicht jeder dieser Charaktere schafft es in einen Roman. Manchmal spinne ich auch nur herum, merke aber, dass die Geschichte doch nicht genug hergibt. Wenn ich aber meine nächste Romanidee gefunden habe, komme ich durch Musik oft in die richtige Stimmung. 

Wie plottest du?

In Schreibratgebern und im Internet gibt es irrsinnig viele Methoden, mit deren Hilfe man plotten kann. Eines Tages werde ich sicher mal die ein oder andere ausprobieren. Aber im Moment ergibt sich immer ganz automatisch ein Kapitel nach dem nächsten. Die Outlines des Plots habe ich ja im Exposé schon aufgeschrieben. Ich weiß also wo die Reise startet, wo sie endet, und wie ich dorthin komme. Detailfragen klären sich meistens im Prozess des Schreibens. Da werden dann auch oft Dinge im Manuskript wieder verworfen, die im Exposé noch drin waren. 

Wie kommst du auf die Namen deiner Protagonisten?

Oft höre oder lese ich irgendwo einen Namen, der mir gefällt. Der wandert dann auf eine Liste. Wenn ich einen neuen Protagonisten entwickle, schaue ich, ob einer dieser Namen passt. Wenn nicht, wird knallhart gegoogelt. In ganz seltenen Fällen kommt mir der Name schon mit der Figur in den Kopf. 

Hast du eine Schreibroutine?

Ich hatte lange keine, sondern habe immer dann geschrieben, wenn ich Zeit hatte. Das lag vor allem daran, dass ich bis vor Kurzem noch einen Vollzeitjob als Lektorin hatte. Da musste das Schreiben auf den Feierabend, die Wochenenden und in den Urlaub verlegt werden. Von Routine konnte man nicht wirklich sprechen. Aber jetzt bin ich hauptberuflich Autorin und habe mich ganz automatisch eingegroovt. Ich bin ein Morgenmensch, schreibe am besten zwischen acht Uhr morgens und zwei Uhr nachmittags (erstaunlicherweise auf nüchternen Magen). Danach kümmere ich mich um Admin-Kram und Mails. 

Hilft dir deine Erfahrung als Lektorin beim Schreiben?

Ich würde sagen, sie ist Fluch und Segen zugleich. Denn natürlich habe ich durch meine Arbeit und das viele Lesen ein ganz gutes Gefühl fürs Erzählen von Geschichten bekommen. Ich weiß, wie man Spannung aufbaut, und wann man den Leser besser mal innehalten lässt. Aber beim Schreiben selbst kommt mir die innere Lektorin schon oft in die Quere. Die muss ich dann mit aller Macht ausschalten, wenn ich vorankommen will. Später, beim Überarbeiten, darf sie dann wieder mitmachen.

Mit welchem Programm schreibst du?

Ganz schnöde mit Word. Ich liebäugle seit einiger Zeit mit einem Schreibprogramm, aber bislang habe ich mich einfach noch nicht damit auseinandergesetzt. Obwohl es schön wäre, Bilder von Protagonisten oder Notizzettel einfach am Rand der Geschichte anpinnen zu können oder Zeitstrahle nicht von Hand zeichnen zu müssen (denn darin bin ich ganz schlecht … gerade Linien sind nicht meins).

Weißt du schon beim ersten Satz, wie dein Buch enden wird?

Ja. Ich schreibe nicht wild drauf los, weil ich eine gute Idee für einen Einstieg habe. Dazu ist das Endergebnis zu komplex. Wenn ich eine Idee für ein Buch habe, ist das Ende immer schon mitangelegt. Denn es ist schließlich elementar für die Entwicklung der Handlung und damit auch für die Entwicklung meiner Charaktere. Es ist essentiell für genau die Geschichte, die ich erzählen will, und muss deswegen von Anfang an mitgedacht werden.

© Sophie Anfang

Kathinka Engel

Kathinka Engel liest, seit sie fünf Jahre alt ist. Neben der Literatur liebt sie außerdem: alles, was bunt ist, Abenteuerreisen, Die drei ???, gute Kneipen, Besuche im Fußballstadion und das Rascheln trockener Blätter im Herbst.

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